Bindung: Was ist das?

Bindung bedeutet volles Vertrauen - in beide Richtungen.

und

Bindung bedeutet bedingungslose Liebe.

 

Jedes Kind, welches geboren wird besitzt von Natur aus Urvertrauen zu seiner Mutter. Bindung enteht also automatisch und die Hauptbindung ist zu der am verlässlich auftretenden Person. Das Kind kann aber mehrere Bindungen eingehen, die unterschiedlich stark sind (denn sie sind alleine nicht überlebensfähig und müssen sich binden, egal wie).

Aktiv aufbauen muss die Bindung nur der Erwachsene. Hierbei hilft die Natur uns sehr -  mit dem Hormon Oxytocin.  Dieses wird bei jedem bei Körperkontakt ausgeschüttet und versetzt den Menschen in ein Gefühl tiefer Verbundenheit. Daher wird es auch Bindungshormon genannt. 


Dieses von Naturaus vorhandene Urvertrauen muss von den Eltern also nur erhalten, bestätigt und evtl. gestärkt werden. Alles was Bindung zerstört, zerstört das Urvertrauen.

Bindung wird über die Befriedigung der Bedürfnisse nach Bedarf aufgebaut und gefestigt = Nähe und Ernährung.

Bindung wird schlechter/zerstört durch die Unterlassung der Befriedigung der Bedürfnisse nach Bedarf.

 

Folgende Bindungsarten werden unterschieden:

 

sichere Bindung:

- volles Vetrauen, schneller Trost, will gleich wieder runter und weiter kundschaften

unsicher-ambivalente Bindung:

- wenn es Trost brauch klammert es sich einerseits an die Bezugsperson, andererseits wehrt es sich gegen sie: es weiß nicht ganz was es will

- brauchen viel mehr Zeit um sich tatsächlich zu beruhigen und sich wieder zu trennen

- tritt oft auf, wenn Eltern mal auf Bedürfnisse eingehen und mal nicht, ohne für das Baby erkennbare Muster oder z.B. wenn Mama das Baby röstend auf den Arm nimmt, aber gleichzeitig meckert, weil es nicht schläft

unsicher-vermeidende Bindung:

- zeigen keine Reaktion, wenn Mama den Raum verlässt und auch keine wenn sie wieder kommt, wenden sich sogar ab

- bei Kinder auf deren Bedürfnisse eigentlich nie oder sehr verspätet eingegangen wird. So das die Kinder wissen, dass ihr Anliegen nichts Wert ist - also brauchen sie es auch nicht zu äußern.

- Haben oft hohen Cortisolspiegel

 

Bindungsorientiert: was heißt das?

Wenn du dein Kind bindungsorientiert erziehen willst, dann heißt es, dass du dich auf die Bedürfnisse deines Kindes einlässt.

Es heißt aber auch , dass du dich selbst nicht vergisst.

 

Bindungsorientiert zu leben ist vor allem Erkenntnis. Dir wird bewusst, dass ein Kind einfach nur gut ist, dass es dich braucht um zu überleben, dass die Verantwortung allein bei dir liegt.

Mit diesem Bewusstsein wird es dir leicht fallen die Bedürfnisse deines Kindes zu erfüllen.

Die Bedürfnisse bestehen aus Nähe, Sicherheit und Geborgenheit, Nahrung und Sauberkeit.

 

Bindungsorientiert heißt also, dass du aufmerksam bist für die Bedürfnisse deines Kindes und das du diese so früh und gut wie möglichst befriedigst. Du lernst dein Kind kennen und du lernst dich kennen. Denn dein Kind ist ein Spiegel deiner Selbst, v.a. bis zur Vollendung des siebten Lebensjahres. Wenn du offen bist und mutig kannst du das was dir nicht gefällt, was dich reizt, nervt, anstrengend ist usw. zum Anlass nehmen zu schauen, was es in dir noch gibt was du verändern willst.

 

Bindungsorientiert heißt nicht eine Übermutter zu werden, die nie an sich selbst denkt. Denn wenn du dich aufgibst, welches Vorbild soll dein Kind dann wählen? Du sollst authentisch sein, wissen das Perfektion heißt menschlich zu sein. Du weißt, dass es in Ordnung ist Fehler zu machen, dass es keinen einen richtigen Weg gibt, sondern nur den eigenen, ehrlichen, individuellen Weg. Es ist ein ständiges Kennenlernen und Zueinander finden. Und es ist spannend, manchmal anstengend und wunderschön!!

 

Bindungsorientiert heißt nicht verwöhnen:

Babys können nicht verwöhnt werden, sie haben ausschließlich Grundbedürfnisse. Sie haben keinerlei Verständnis für Ursache und Wirkung, sie handeln rein instinktiv. Verwöhnen heißt, jemanden etwas abzunehmen was dieser schon kann. Babys können sich aber noch nicht fortbewegen und in Sicherheit bringen (alleine irgendwo zu liegen bedeutete jahrtausende lang Lebensgefahr, manchmal noch heute). Sie können sich nicht selbst ernähren, und sie können sich noch nicht selbst beruhigen.

Denn der Parasympahtikus ist bei der Geburt nicht vorhanden, d.h. sie können sich noch nicht selbst beruhigen und brauchen dafür ihre Eltern, dadurch entwickelt sich ihr Parasympathikus und sie können lernen sich selbst zu beruhigen (Entwicklung dauert ca. bis zum 2. Lj.). Bis zur Ausbildung des Parasympathikus verfallen sie bei zu viel Stress in eine Schockstarre.

 

Bindungsorienrtiert: wie geht das?

Bindung aufbauen

Die erste Aufgabe besteht darin, im Herzen des Kindes Raum für die Gewissheit zu schaffen, dass es genau der Mensch ist, den die Eltern wollen und lieben.

Schenke deinem Kind immer so viel Aufmerksamkeit wie möglich. Es sollten so oft wie möglich 100 % sein. Also die volle Aufmerksamkeit. Dadurch kannst du dein Kind kennenlernen, mit jedem Monat und jedem Jahr neu.

Dadurch das du es kennst und aufmerksam bist, verstehst du was es braucht und kannst es ihm geben.

Die volle Aufmerksamkeit ist der wichtigste Bindungsfaktor. Und durch die starke Bindung wird eure Kommunikation eine leichte sein. Es wird gerne auf dich hören, dich zum Vorbild nehmen und dir folgen. Es möchte deinen Anforderungen genügen, es möchte, dass du glücklich bist. Wie viel einfacher wird das Zusammenleben, die Erziehung sein mit einer starken Bindung. Dadurch das es leicht ist, bleibst du motiviert, du hast Freude und empfindest es selten als Arbeit.

Wenn du damit Schwierigkeiten hast siehe unten !

 

Kommunikation

Vor dem Weinen zeigen Babys mit vielerlei Zeichen, was sie brauchen. Z.B. zeigen sie schon ein halbe Stunde mit solchen Signalen, dass sie Hunger haben, bevor sie anfangen zu schreien. Im Prinzip versteht man sie hier viel besser, weil bei jedem Bedürfnis andere Signale gegeben werden, wenn sie allerdings weinen, ist es oft ein Rätselraten und man muss alles nacheinander ausprobieren.

 

Grundbedürfnisse befriedigen

 

 

Freiheit zur Entfaltung geben

Nach und nach werden die Kinder immer mobiler und entfernen sich um die Welt zu entdecken. Dies ist auch eines der Grundbedürfnisse der Kinder. Besteht ein starke Bindung und wissen die Kinder sich sicher, dann können sie dieses Bedürfnis voll ausleben. Dies ist über die gesamte Zeit bis sie erwachsen sind wichtig. Denn dies ist unbedingt nötig, damit die Kinder selbstbewusste und selbstständige Erwachsene werden.

 

Wir müssen unsere Kinder aktiv zu uns herholen.

Immer mal wieder zwischendurch, sollten wir die Bindung aktiv aufbauen, in dem wir den Kindern etwas anbieten woran sie sich festhalten können (etwas was ihnen das Wissen gibt, dass wir sie bedingungslos lieben: Freundlich auf es zu gehen, einfach zusammen sein, ...).

Aber auch gerade nach Trennungssituationen, sollte es zu einem Bindungsritual kommen.

Nach physischer Trennung sollten wir unsere Kinder ausführlich Begrüßen, ihm zeigen, dass wir es vermisst haben und es einladen bei uns zu sein (auch andere Kinder immer mit Begrüßen, wenn möglich mit Namen ansprechen).

Aber auch nach Trennung geistiger Art, weil die Aufmerksamkeit woanders war und wir oder das Kind längere Zeit abgelenkt waren, sollte wieder aktiv Verbindung aufgenommen werden (Lächeln und Nicken abholen).

Und v.a. nach emotionaler Trennung, wegen eines Streites oder Konfliktes, muss (vom Erwachsenen ausgehend) die Bindung wieder aktiv aufgebaut werden. Es muss dem Kind klar sein, dass wir es lieben und nicht fallen lassen, auch wenn wir einmal mit ihm streiten.

Auch morgens nach dem Aufstehen, immer erst Bindungsinstinkte aktivieren, bevor der Alltag losgeht (dann geht es auch viel geschmeidiger, die Kinder hören lieber auf uns).

Auch für Lehrer und andere Erwachsene mit Verantwortung für Kinder, die nicht ihre eigenen sind, sollte das Heranholen der Kinder immer der erste Schritt sein. Denn dadurch richtet sich dann die Hauptaufmerksamkeit auf den Erwachsenen und alle anderen positiven Eigenschaften einer Bindung können wirken.

 

Aufmerksamkeit und Interesse sind mächtige Instrumente, um eine neue Verbindung zu knüpfen, Zeichen der Zuneigung ebenso. Emotionale Wärme, Spaß und Vergnügen wurden in Untersuchungen als die wirksamsten Aktivatoren für Bindung identifiziert. Strahlen unsere Augen und liegt eine gewisse Wärme in unserer Stimme, so laden wir zu einer Verbindung ein, welche die meisten Kinder nicht ablehnen werden. Wenn wir Kindern Zeichen geben, dass sie uns wichtig sind, werden die meisten Kinder an der Gewissheit, dass sie einen besonderen Stellenwert für uns haben und wir sie schätzen, festhalten wollen. Bei unseren eigenen Kindern ist die körperliche Komponente entscheidend. Umarmungen und Liebkosungen sind dazu geschaffen, dass Kinder sich festhalten können, und sie können ein Kind noch lange danach innerlich wärmen.

(Lehrer etc. können natürlich auf alle anderen Bindungsarten zurückgreifen, da Körperkontakt gerade heutzutage kritisch ist.)

Bei Kindern, die eine emotionale Abwehrhaltung gegen die verletzlicheren Bindungsarten haben, kann es sein, dass wir uns auf weniger verletzlich machende Angebote konzentrieren müssen. Z.B. ihnen ein Gefühl von Gleichheit vermitteln, oder eine Möglichkeit finden, ihm unsere Loyalität zu demonstrieren, indem wir uns auf seine Seite stellen.

Das wichtigste ist, dass der Erwachsene etwas geben muss, bevor das Kind sich festhalten wird.

Für ein Kind ist es das größte Geschenk, wenn wir ihm das Gefühl geben, dass es in unserer Gegenwart genau so angenommen wird, wie es ist, und wenn wir unsere Freude über seine bloße Gegenwart zum Ausdruck bringen.

Es gibt tausende von Arten, wie diese Einladung mit Gesten, Worten, Symbolen und Taten übermittelt werden kann. Das Kind muss wissen, dass es erwünscht, etwas Besonderes und wichtig ist, dass es geschätzt und anerkannt wird, dass wir seine Gegenwart genießen und es vermissen, wenn es nicht da ist.

Damit Kinder diese Einladung ganz erfassen, damit sie uns glauben und in der Lage sind, sich an der Einladung festzuhalten, auch wenn wir physisch nicht bei ihnen sind, muss sie bedingungslos und echt sein.

Die Grundlage des wahren Selbstwertgefühls eines Kindes ist das Gefühl, dass die Eltern es genau so, wie es ist, akzeptieren, lieben und Freude an ihm haben.

 

Zur Abhängigkeit einladen

Nur aus der Abhängigkeit, kann Unabhängigkeit entstehen. Nur wenn sie alle Hilfe bekommen, sich sicher fühlen können, fragen können, und wir eben nicht voraussetzen, dass sie alle alleine können und verstehen müssen.

Laden wir ein älteres Kind zur Abhängigkeit ein, so vermitteln wir ihm, dass es uns vertrauen kann, sich von uns umsorgen lassen kann. Es kann, wenn es Unterstützung braucht, zu uns kommen und von uns Hilfe erwarten. Wir vermitteln ihm: Wir sind für dich da, es ist in Ordnung, dass du uns brauchst.

Wachstum, Entwicklung und Reife sind natürliche Prozesse. Die Unabhängigkeit ist ein Ergebnis der Reifeentwicklung und für diese sorgt die Natur. Unsere Aufgabe bei der Kindererziehung besteht darin, uns um die kindlichen Abhängigkeitsbedürfnisse zu kümmern. Erfüllen wir unsere Aufgabe und befriedigen ihre echten Abhängigkeitsbedürfnisse, so kann auch die Natur ihre Aufgabe erfüllen und die Reifeentwicklung fördern.

Wenn wir vergessen, dass Wachstum, Entwicklung und Reifung natürliche Prozesse sind, verlieren wir die Perspektive. Wir bekommen Angst, dass unsere Kinder stecken bleiben könnten und niemals erwachsen werden.

Je mehr wir jedoch unsere Kinder schieben (aus dem Nest), desto fester klammern sie sich. Finden sie bei uns keinen Halt, so nisten sie sich bei jemand anderen ein.

 

Dem Kind als Orientierungspunkt dienen

Kinder brauchen Orientierungspunkte und wir Erwachsene sollten diese Rolle annehmen und ihre Anführer sein.

Wir übernehmen die Rolle, sie mit ihrem Umfeld bekannt zu machen, ihnen zu sagen wer wer ist, wo was ist, und was wann sein wird und zu erklären was die Dinge bedeuten. Je mehr wir ihnen in Bezug auf Raum und Zeit, Menschen und Geschehnisse, Bedeutungen und Umstände Orientierung vermitteln, desto eher werden sie uns in der Nähe halten wollen. Wir dürfen nicht auf ihren verwirrten Gesichtsausdruck warten, sondern müssen unsere Position als ihre Dolmetscher und Anführer selbstbewusst einnehmen.

Und wir sollten ihnen natürlich auch Orientierung über ihre Identität und Bedeutsamkeit vermitteln: "Du gehörst zu den Mädchen, die...", Du hast eine ausgesprochene Begabung für ...", "Du hast das Zeug zu ...", Du bist ..., kannst, ..."

 

Gescheitert - was nun?

Wenn du merkst, dass du deinem Kind keine volle Aufmerksamkeit schenken kannst, dann frage dich genau woran es liegt. Sind es Ängste, Sorgen, Stress? Wo sind deine Gedanken bzw. wo gleiten sie hin. Fühlt es sich anstrengend an und brauchst du einfach nur Ruhe. Ist es etwas anderes was dich hindert, dich fallen zu lassen, dich ganz auf dein Kind einzulassen. Oft ist es einfach so, dass wir es selbst nicht erlebt haben, es nicht woanders gesehen haben und vielleicht noch zusätzlich von Befürchtungen und Unsicherheiten geplagt sind, dass wir es nicht schaffen unserem Kind, die so wichtige Aufmerksamkeit zu schenken. Vielen fällt es schwer, weil sie ihr eigenes Selbst nicht wirkliche kennen, ihr Ich nicht definieren können, weil sie selbst diese Bindung nicht erfahren haben und daher die natürliche Entwicklung nicht durchlebt haben. Diesen Menschen fällt es schwer, weil sie prinzipiell inkompetent sind. Die Kompetenz können sie aber erlangen. Sie müssen es nur erkennen und ihre eigene Entwicklung, am besten mit dem Kind zusammen, nachholen und ihr eigenes Selbst entdecken

Dies gibt dem Kind die so wichtige Sicherheit. Wenn du dadurch das Bedürfnis nach Nähe befriedigst, gibst du ihm die nötige Geborgenheit.

 

Eine zerstörte oder mangelnde Bindung kann jederzeit wieder aufgebaut werden: v.a. über Körperkontakt