Nähe

Die vielleicht offensichtlichste Aufgabe der Bindung besteht darin, das Kind in der Nähe zu halten. Manchmal empfinden wir dieses Bedürfnis nach Nähe fast schon als erdrückend, besonders wenn unser Klein- oder Vorschulkind bereits panisch reagiert, wenn wir nur die Badezimmertür hinter uns schließen. Überwiegend verschafft uns diese Programmierung aber ein hohes Maß an Freiheit. Statt ständig auf unser Kind achten zu müssen, können wir die Führung übernehmen und uns darauf verlassen, dass es uns instinktiv folgen wird. (Wir können die Aufgabe unsere Kinder in der Nähe zu halten der Bindung überlassen, anstatt sie neben uns herzutreiben oder einzuzäunen.)

Unsere Gesellschaft ist so verdreht, dass wir möglicherweise so weit kommen, die Trennungsbereitschaft von Kindern mehr zu schätzen als ihre instinktive Suche nach Nähe. Wir sollten dankbar sein, dass Bindung uns hilft, unsere Kinder in der Nähe zu halten. Müssten wir alles selbst bewirken, so könnten wir mit den vielen anderen Pflichten, die wir als Eltern unseren Kinder gegenüber haben, nie vorankommen. Wir müssen lernen, in Harmonie mit den natürlichen Gegebenheiten zu erziehen, anstatt gegen sie anzukämpfen.

Geht alles gut, so entwickelt sich das Bedürfnis nach körperlicher Nähe zu den Eltern allmählich zu einem Bedürfnis nach Verbindung und Berührung emotionaler Art. Das Bedürfnis, die Eltern in Sichtweise zu haben, entwickelt sich zum Bedürfnis, zu wissen, wo die Eltern sind. Selbst Jugendliche werden, sofern sie eine stabile Bindung haben, noch fragen: "Wo ist Papa?", "Wann kommt Mama heim?"

 


Siehe hierzu auch die Texte von Gordon Neufeld