Worauf kommt es in der Kindererziehungen an?

Die meisten gehen, durchaus unbewusst, von der Grundannahme aus, dass das Kind ein unvollkommenes Wesen ist, das nichts weiß, nichts kann und zum Guten erzogen werden muss, da es nicht von sich aus gut ist.

Doch jedes Kind trägt in sich alles Wissen und alle Fähigkeiten, und das vom ersten Moment an. Und es ist von Grund auf gut.

Die Natur hat dem Kind nicht nur Instinkte für das reine Überleben mitgegeben, sondern auch um seine Entwicklung zu gewährleisten.

Damit Entwicklung stattfinden kann braucht das Kind Sicherheit und Freiheit gleichermaßen.

Sicherheit kann das Kind nur erlangen, wenn alle seine Grundbedürfnisse erfüllt werden (Nahrung und Sicherheit) und eine sichere Bindung besteht. Hierzu müssen wir uns dem Kind zuwenden, ihm Aufmerksamkeit schenken, es in die Arme nehmen und bedingungslos lieben.

 

Innere Freiheit

Lieben so wie es ist, ohne Verpflichtung, ohne Forderung und ohne Erwartungen!

Kinder binden sich von Geburt an, an die Personen, die am Verlässlichsten sind. Unsere Aufgabe ist es diese Bindung nicht zu zerstören, sondern zu erhalten. Darin unterstützt auch uns die Natur, v.a. mit dem Hormon Oxytocin.

Wenn dieser Bindungsinstinkt also bedient wird, gibt es dem Kind Sicherheit und Geborgenheit. Aber warum ist dies so wichtig?

 

Nur wenn das Kind die nötige Sicherheit hat, kann es sich um seine Entwicklung kümmern. Denn wenn es diese Sicherheit nicht hat, ist es die ganze Zeit nur damit beschäftigt, seine Existenz zu sichern. Wenn wenig Nahrung zur Verfügung steht, dann ist es ausschließlich damit beschäftigt, welche zu bekommen. Wenn die Bindung zu seinen Bezugspersonen nicht sicher ist, ohne die es nun mal nicht überlebensfähig ist, dann ist es damit beschäftigt zu versuchen diese Bindung aufzubauen und den damit an ihn gestellten Anforderungen zu genügen. Denn eine Bindung kann nur unsicher sein, wenn nicht bedingungslos geliebt wird. Wenn also für das Kind die Gefahr besteht verlassen zu werden, wenn es nicht so und so ist, dann ist es nur damit beschäftigt so zu sein, wie es gefordert wird und ist ständig mit der Angst beschäftigt verlassen zu werden. Dann ist natürlich keine Zeit mehr, für die persönliche Entwicklung, für das Kennenlernen des eigenen Ich, der eigenen Fähigkeiten, für die Entwicklung zur Selbstständigkeit und zu Selbstbewusstsein.

Die Bindung ermöglicht, also die Sicherheit und damit die innere Freiheit, sich voll zu Entwickeln.

Jetzt hat das Kind zwar die innere Freiheit, da es eine sichere Bindung hat und weiß, dass es immer willkommen ist, immer Schutz und Geborgenheit bekommt, wenn es das braucht.

 

Äußeren Freiheit

Viele Eltern sind schon sehr bindungsorientiert, neigen dann jedoch zum Überbehüten. Aber wenn sie ihrem Kind nichts zutrauen und nichts ausprobieren lassen, dann stören sie ihre Entwicklung auch. Sie brauchen also auch im Außen Freiheit sich auszuprobieren und auch Fehler zu machen. Nur so können sie Feststellen welche Fähigkeiten sie haben, was sie mögen oder nicht. Sie lernen sich selbst kennen.

 

Aber wie muss denn jetzt die Erziehung aussehen?

Müssen wir denn unsere Kinder nicht auf die richtige Bahn bringen? Dafür sorgen, dass aus ihnen gute Menschen werden?

Eine lange Zeit gingen die Menschen davon aus, das Kind müsste erst zum Guten erzogen werden, wäre also im Umkehrschluss erst einmal böse. Auch wenn es hart klingt, nichts anderes wird damit gesagt. Und alle Erziehungspraktiken gehen von diesem Grundsatz aus.

Aber das Kind ist von natur aus gut. Es möchte hören und es dem anderen recht machen. Ein Kind möchte also brav sein, wie man so schön sagt.

Hört es auf alle?

Nein. Grundsätzlich nur auf seine Bindungspersonen.

Kinder wollen also auf die Erwachsenen hören, ihnen gefallen und folgen, zu denen sie eine Bindung haben.

Zu allen anderen jedoch nicht.

Aber Vorsicht. Kinder sind aufgrund ihrer Entwicklung erst im 3. Lebensjahr fähig zu gefallen. Den im 3. Lj. entwickelt sie die Bindungsart der Zugehörigkeit und Loyalität. Vorher bauen sie Bindung nur über die Sinne und dem Nachahmen auf. Vor dem 3. Lj. können wir also nicht erwarten, dass das Kind es uns recht machen will, auch wenn es uns liebt. Hier schon mit irgendwelchen Erziehungsmaßnahmen zu beginnen, wäre also recht sinnlos.

Wie erziehen wir nun aber unser Kind? Oder machen wir einfach gar nichts?

(hier einfach mal lauschen was die Leute sagen)

Das wichtigste in der Erziehung ist die Bindung. Was wir wieder lernen müssen, ist der Natur zu vertrauen, dass sie alles so eingerichtet hat, dass es einfach ist. Die Natur ist schließlich auch daran interessiert, dass ihre Geschöpfe überleben. Wir sind soziale Wesen. Daher ist es für uns so wichtig Bindungen einzugehen. Außerdem ist es für unser Überleben wichtig auf unsere Familie/Gemeinschaft zu hören, denn diese beschützt und ernährt uns und bringt uns alles bei, was wir zum Leben wissen müssen. Es wäre also nicht von Vorteil, wenn es schwierig sein würde, unsere Kinder bei uns zu halten und ihnen etwas beizubringen.

Daher ist das A und O im Umgang mit unseren Kindern auf eine sichere Bindung zu achten und diese nicht zu gefährden.

Bei Kleinkindern reicht es ihnen zu geben was sie brauchen und ihnen Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken. Bei älteren Kindern ist es wichtig ihre Bindungsinstinkte immer wieder einmal zu wecken.

Dies können wir umso besser, wenn wir verstehen, wie sich die Bindungsarten entwickeln und welche es überhaupt gibt.

(Siehe hierzu die Bindungsspriale)

 

Nun reicht eine sichere Bindung allein nicht unbedingt aus, dass unsere Kinder das Verhalten an den Tag legen, das wir uns wünschen. Aber es ermöglicht uns es auf einfache Weise zu erreichen.

 

Vorbild

Ein ganz wichtiger Punkt ist unsere Vorbildrolle. Denn Kinder ahmen gerne ihren Bindungspersonen nach. Sie übernehmen automatisch unsere Verhaltensweisen. Auffallen tut uns das ja meist nur bei den Negativen.

 

Führung

Des Weiteren ist es wichtig, dass wir uns durch die Bindung zu unseren Kindern, unserer Macht bewusst werden, die wir über sie haben. Es ist wichtig diese zu nutzen und die Führung zu übernehmen. Kinder brauchen und verlangen nach Führung. Sie wollen Grenzen, die sie natürlich immer wieder austesten. Und sie brauchen Sicherheit. Das heißt, dass wir zu unserem Wort stehen müssen. Wenn wir es mal so und mal so sagen, werden sie unsicher, und am Ende nehmen sie uns nicht mehr ernst. Dies gibt nicht nur in der Erziehung Probleme. Die fehlende Sicherheit auf dieser Ebene, behindert wiederum das Selbständig werden der Kinder.

Bsp.: wir sind mit einem Führer in einem großen und uns unbekannten Wald für ein paar Tage unterwegs und macht konträre Aussagen z.b. darüber was man nun Essen kann, wo es lang geht. Ihr merkt er ist sich nicht sicher.

Wie fühlt ihr euch? Unsicher? Vielleicht ängstlich?

Worum werden unsere Gedanken kreisen?

Lernen wir etwas, werden wir sicher im Überleben im Wald und in Sachen Orientierung? Befähigt uns dieses Verhalten zur Selbständigkeit?

 

Natürlicherweise entwickeln sich bei Kinder nach und nach folgende Fähigkeiten:

  • sie entwickeln alarmierende Gefühle: das heißt sie sehen wenn Ärger kommt und das bewegt sie zu angemessener Vorsicht
  • sie können Vergeblichkeit spüren: das heißt, sie spüren, wenn sie etwas wirklich nicht ändern können, was sie dazu befähigt mit der Sache abzuschließen
  • sie entwickeln eigene Pläne und Zielen und zwar auf Grundlage von guten Absichten.
  • sie lernen sich selbst zu beherrschen: das heißt, dass sie trotz ärgerlichen Impulsen reflektieren können, bevor sie handeln

Dabei ist natürlich die Reifeentwicklung des Kindes entscheidend.

 

 

Es haben sich aufgrund der falschen Annahmen über die Natur des Kindes bestimmte Erziehungsmethoden eingebürgert.

Welche wendet ihr oft an? Was sagt oder macht ihr damit euer Kind auf euch hört und wenn es dies eben nicht getan hat?

Die typischsten Erziehungsmethoden sind auf Alarm und auf Trennung basierende Methoden, sowie Konsequenzen/Strafen oder Belohung.

Auf Alarm basierende Methoden:

Stimme erheben, warnen, drohen, ängstigen. Wenn wir dies tun, ist es für das Kind ein unerträgliches Gefühl der Verletzlichkeit. Wenn dies zu viel wird, kann es eine Panzerung im Kind hervorrufen, um die gefühlte Verletzlichkeit zu vermindern.

auf Trennung basierende Methoden:

Auszeiten, Trennung vortäuschen oder androhen, Liebesentzug, Abwenden, Schweigen, ignorieren: alles was trennt.

Das schlimmste was dem Kind passieren kann, ist verlassen zu werden. Wenn wir mit Trennung arbeiten, verwenden wir die größte Angst des Kindes. Je nach Charakter, Häufigkeit und Intensität kann das dazu führen das die Bindung immer unsicherer wird. Was, wie wir jetzt wissen, viele weitere Probleme verursacht. Diese können uns veranlassen, wiederum mit dieser Methode zu arbeiten. Ein Teufelskreis.

Konsequenzen:

Hiermit unterstellen wir dem Kind, es hätte sein Verhalten im Griff, aber die Verhaltensprobleme treten ja auf gerade weil das Kind das eben nicht hat.

Konsequenzen verstärken oft genau die Emotion, die das Problemverhalten hervorgerufen haben - es kommt mit seiner Frustration also nicht klar und wir geben ihm noch mehr Frustration oben drauf.

Belohung:

Belohnung und Konsequenzen haben beide noch eine entscheidende Wirkung: Sie vermitteln dem Kind unser Misstrauen in seinen natürlichen Wunsch, es uns recht zu machen, wie unser fehlendes Vertrauen in unserem eigenen Einfluss auf das Kind.

 

Das Leben mit Kindern ist, v.a. noch für unsere Generationen, eine Herausforderung.

Nicht weil es uns unsere Kinder so schwer machen, sondern weil wir viel gelerntes und erfahrenes über Bord schmeißen müssen. Jede Unsicherheit, unserem Selbst gegenüber (geringes Selbstbewusstsein) und jede Angst in uns, macht es uns schwer, so leicht und selbstverständlich auf unsere Kinder einzugehen, wie es optimal für dessen Entwicklung ist.

Daher ist es wichtig v.a. bei sich selbst anzufangen. Werdet euch euer Selbst wieder bewusst, findet zu euch und findet heraus, was ihr wollt, für euch und für eure Kinder, und warum. Hinter vielen Regeln und den "das macht man so", stecken unbegründete Ängste, sie wurde von uns einfach ungeprüft übernommen, ohne den Sinn dahinter zu erfragen. Wenn ihr Selbstbewusst werdet, fangt ihr an tatsächlich eigenständig zu denken, ihr habt Vertrauen in euch selbst und in eure Entscheidungen. Denn ihr wisst warum ihr was tut. Dies wird euch ermächtigen, euch ganz individuell auf euer Kind einzustellen. Und wie wir an Geschwistern sehen, kann dies sehr unterschiedlich aussehen. Und das ist auch gut so.