Erziehung und Bindung

Seit geraumer Zeit sind wir zu der Ansicht gelangt, elterlichen Erziehung mit bestimmten Fertigkeiten gleichzusetzen. Dies erscheint durchaus logisch, aber tatsächlich ist es ein verhängnisvoller Fehler. Denn dies führt zu einer künstlichen Abhängigkeit von Experten, raubt vielen Eltern ihr natürliches Selbstvertrauen und vermittelt ihnen oftmals das Gefühl, unfähig und der Aufgabe nicht gewachsen zu sein.

 

Wir neigen zu der Annahme, dass unsere Kinder deshalb nicht auf uns hören, weil wir nicht wissen, wie wir sie dazu bringen können, dass sie uns nicht folgen, weil wir noch nicht die richtigen Tricks gelernt haben, dass sie nicht genügend Respekt vor Autoritäten haben, weil wir als Eltern es ihnen nicht beigebracht haben, respektvoll zu sein.

Uns entgeht die grundlegende Tatsache, dass das Wichtigste nicht die Fähigkeiten der Eltern oder die Eigenschaften des Kindes sind, sondern die Beziehung des Kindes zu der erwachsenen Person, welche die Verantwortung übernimmt.

Elternschaft ist v.a. eine Frage der Beziehung, keine Fertigkeit, die wir erlernen können oder müssen. Die Bindung zum Kind ist kein Verhalten, dass wir lernen, sondern eine Verbindung, die wir suchen müssen.

 

Wenn wir die Schuld an Problemen und Konflikten den Kindern geben:

Wenn wir die Schuld nicht den Eltern geben wollen, so ist die Annahme, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt oder ihm etwas fehlt, die offensichtliche Alternative. Wir flüchten uns in Schuldzuweisungen an die Kinder. Unsere Einstellung kommt gewöhnlich in Fragen und Forderungen zum Ausdruck wie: "Pass doch auf", "Hör auf dich so anzustellen", "Warum kannst du nicht einmal tun, was man dir sagt"

(Jede Aussage, die die Verantwortung auf das Kind überträgt ist ein Ausdruck davon)

 

 


Siehe hierzu auch die Texte von Gordon Neufeld