Kinder wollen es uns recht machen

Der kindliche Eifer, den Anweisungen der Eltern zu folgen, verleiht diesen enorme Macht. (Fehlt er, so entstehen Schwierigkeiten, die nicht weniger enorm sind)

Während es für ein Kind grundsätzlich sinnvoll, dass es sich schlecht fühlt, wenn die Verbindung zu den Menschen, die es gern haben und die seine gesunde Entwicklung im Sinn haben, abzureißen droht, ist es äußerst wichtig, dass Eltern verstehen, wie unklug es wäre, dieses Bindungswissen jemals auszunutzen. Wir dürfen in Kindern niemals absichtlich Schuld- oder Schamgefühle hervorrufen, damit sie unsere Erwartungen erfüllen. Der Missbraucht des Bindungswissens verunsichert sie zutiefst und kann dazu führen, dass sie sich aus Angst vor Verletzung verschließen.

Der kindliche Wunsch, es den Eltern recht zu machen, ist eine mächtige Motivationsquelle, welche die elterliche Erziehung sehr erleichtert, welche aber auch Vertrauen und achtsame Fürsorge erfordert. Es schadet der Beziehung, wenn wir an diesen Wunsch im Kind nicht glauben, obwohl er tatsächlich vorhanden ist, und zum Beispiel unterstellen, dass ein Kind, dessen Verhalten wir missbilligen, sich absichtlich unseren Erwartungen widersetzt. Solche Beschuldigungen können im Kind leicht Abwehr auslösen, der Beziehung schaden und dazu führen, dass es das Gefühl hat, es sei schlecht.

Wenn Eltern oder Lehrer kein Vertrauen in die guten Absichten des Kindes haben und sie deshalb annehmen, das es mit Belohnung gelockt oder mit Strafandrohungen abgeschreckt werden muss, kann das Kind ihnen ebenfalls nicht weiterhin alles recht machen wollen, da dies zu riskant wäre. Es ist ein echter Teufelskreis. Externe Anreize wie Belohnungen und Strafen zerstören die kostbare innere Motivation, alles recht zu machen, und lassen solche künstlichen Druckmittel zu einer generellen Notwendigkeit werden. Vertrauen in den kindlichen Wunsch, uns alles recht zu machen, ist eine der besten Investitionen für eine einfache elterliche Erziehung.

 

Viele gegenwärtigen Methoden der Verhaltenskontrolle setzen auf extern geschaffene Anreize und trampeln diesen empfindlichen Trieb einfach platt. Die Doktrin der sogenannten logischen Konsequenzen ist ein Beispiel für eine solche Disziplinierungsmethode, bei der dem Kind eingeprägt werden soll, dass ein bestimmtes Fehlverhalten bestimmte, von den Eltern gewählte Maßnahmen hervorruft (diese mögen für die Eltern sinnvoll sein, sind es dem Kind aber nur sehr selten). Wobei hier Unterschieden werden muss zwischen Konsequenzen, welche die Form von Strafen haben und Konsequenzen, welche ein Fehlverhalten akut verhindert. Dies möchte ich an einem Beispiel erklären: Dein Kind schleudert Sand mit der Schippe um sich und trifft dabei andere spielende Kinder. Du forderst es auf dies zu lassen, es hört aber nicht. Nun ist die Frage, ob du dem Kind drohst, dass es kein Eis bekommt und dies auch tust, wenn es nicht damit aufhört oder du ihm sagst, dass es dann nicht weiter mit der Schippe spielen darf, wenn es kein anderes Spiel damit findet und ihm notfalls die Schippe tatsächlich wegnimmst. Dies führt dazu, dass die Gefahr/das was nicht sein soll nicht weitergeführt werden kann und ist im diesem Sinne keine Strafe. Es braucht nicht gemeckert werden und ein Eis könnt ihr trotzdem essen. Frage dich was du verhindern willst und wie du dies schaffst? Es ist dasselbe, wie wenn du dein Kind an der Hand hälst obwohl es dies partou nicht will, wenn ihr an der Straße seit und es nicht auf dein Warte, Stopp oder sonstiges hört und auf die Straße rennen würde.

 

Vertrauen

Nach dem Empfinden mancher Eltern ist Vertrauen nicht von der Grundmotivation abhängig, sondern vom Endergebnis. Sie sehen Vertrauen als etwas, das verdient werden muss, nicht als zu tätigende Investition. Selbst wenn ein Kind unseren Ansprüchen noch nie genügen konnte, wäre es wichtig, ihm dahingehend zu vertrauen, dass es uns alles recht machen will. Durch den Entzug dieses Vertrauens nehmen wir ihm den Wind aus den Segeln und verletzen es zutiefst. Wird dieser Wunsch, alles richtig zu machen, nicht geschätzt und gepflegt, so verliert das Kind seine Motivation, auch weiterhin zu versuchen, unseren Ansprüchen zu genügen. Unser Vertrauen wird durch den kindlichen Wunsch, es uns recht zu machen, gerechtfertigt, nicht durch die kindliche Fähigkeit, unsere Erwartungen zu erfüllen.

 


Siehe hierzu auch die Texte von Gordon Neufeld