Verantwortung

Bindung schützt das Kind vor Verletzungen von anderen, wie z.B. anderen Kindern. Aber gleichzeitig macht es sie aber gegenüber der Bindungsperson sehr verletzlich. Das heißt das sie sehr sensibel auf die Worte und Gesten der Bindungsperson reagieren. Würde diese es herabsetzen, bloßstellen oder sich geringschätzig über es äußern, so würde dies das Kind am Boden zerstören.

Bindung wirkt nach innen und nach außen: Nach innen macht sie verletzlich, nach außen unverletzlich.

 

 

Je mehr ein Kind Bindung braucht, um überhaupt funktionieren zu können, desto wichtiger ist es, dass sie sich an die für sie Verantwortlichen binden. Nur so können sie die Verletzlichkeit einer emotionalen Bindung ertragen. Kinder brauchen keine Freunde. Sie brauchen Eltern, Großeltern, Erwachsene, welche die Verantwortung übernehmen, ihnen einen festen Halt zu geben. Je besser die Bindung von Kindern zu fürsorglichen Erwachsenen, desto besser sind sie in der Lage, mit Gleichaltrigen zusammen zu sein, ohne dass die damit einhergehende Verletzlichkeit zu stark für sie ist. Gerade die Kinder, die keine Freunde brauchen, sind besser in der Lage, Freunde zu haben, ohne dabei ihr tiefes und verletzliches Empfindungsvermögen zu verlieren.

Bis auf die Zellebene hinunter sind Menschen entweder im Abwehr- oder im Wachstumsmodus, aber beides gleichzeitig ist unmöglich. Wenn Kinder unverletzlich werden, hören sie auf, das Leben als unbegrenzte Möglichkeit zu betrachten, ihr eigenes grenzenloses Potential zu erkennen und die Welt als einen freundlichen und fürsorglichen Ort zu sehen, an dem sie sich ausdrücken können.

Die Liebe, Aufmerksamkeit und Sicherheit, die nur Erwachsene bieten können, befreien die Kinder von dem Bedürfnis, sich unverletzlich zu machen und geben ihnen jene Lebensfreude und Abenteuerlust zurück, die ihnen riskante Aktivitäten, Extremsportarten oder Drogen niemals geben können. Ohne diese Sicherheit müssen unsere Kinder zwangsläufig ihre Fähigkeit aufgeben, zu wachsen und zu reifen, bedeutsame Beziehungen einzugehen und ihrem tiefsten und mächtigsten Verlangen zu folgen, dem Verlangen zum Selbstausdruck.

Bei abschließender Analyse wird deutlich, dass die Flucht vor Verletzlichkeit eine Flucht vor dem Selbst ist. Wenn wir unsere Kinder nicht bei uns halten, so hat dies letztlich den Preis, dass sie ihre Fähigkeit verlieren, an ihrem wirklichen Selbst festzuhalten.