Wie schaffen wir es, dass das Kind lieb ist, oder gar brav?

Welche Erziehungsmaßnahmen müssen wir anwenden, damit es auf uns hört, viel lernt und immer lieb und sozial kompetent wird? Oder sollte ich besser sagen, angepasst ist?

 

Gar nicht. Denn ein Kind ist von sich aus lieb und zwar zu den Erwachsenen zu denen sie eine Bindung haben (! nicht zu Anderen).

Ob ihr es glauben wollt oder nicht. Kinder wollen uns gefallen, sie wollen es uns recht machen, sie wollen, dass es uns gut geht, sofern wir mit ihnen in Bindung sind! (siehe hier)

Ist die Bindung gestört, kann es zu Problemen kommen. Schon allein daher ist es das Wichtigste überhaupt Bindung aufzubauen und zu erhalten. Gerade in Konfliktsituationen mit dem Kind, sollte immer die erste Reaktion des Erwachsenen sein, die Bindungsinstinke des Kindes zu wecken, ihm zu versichern, dass sie es nicht fallen lassen, es trotzdem lieben. Wenn das klar ist, dann können wir in Ruhe mit dem Kind über die Situation sprechen und ihnen sagen, was nicht gut war und was anders gemacht werden soll etc..

Anders, und das können erfahrene Eltern bestätigen, funktioniert es nicht wirklich. Das ist der Grund warum es oft soviel Frust auf beiden Seiten gibt und wir den Eindruck bekommen unser Kind will uns ärgern, sei nicht gut oder eben schwer erziehbar.

Dabei vergessen wir meist, dass es doch in unserer Verantwortung liegt, wie sich unser Kind verhält. Das Kind kann die Verantwortung dafür noch gar nicht übernehmen, schließlich haben sie die dafür nötige Entwicklungsschritte noch gar nicht vollzogen.

 

Wenn es also zu Konflikten mit dem Kind kommt, dann ist nicht die erste Frage: "was hat das Kind falsch gemacht?", sondern: "Was habe ich "falsch" gemacht?"

 

Um es mit einem einfachen Beispiel zu erläutern, stelle dir vor dein 3 jähriges Kind hat eine CD von dir kaputt gemacht. Davon mal abgesehen, dass ein dreijähriges Kind noch keine Vorstellung davon hat, wieviel dir so etwas bedeutet, hatte es v.a. nicht die Absicht dir zu schaden. Es hat wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise gewusst, dass dieses "Ding" kaputt geht, wenn es mit dem Linial darüber krazt. Es war von dem Tun als solches fasziniert, von dem Geräusch vielleicht etc.. In wessen Verantwortung liegt es nun, dass die CD nicht kaputt geht?

In deiner!

Und diese Verantwortung liegt nicht darin, dass du es ihm schon zig mal gesagt hast, dass es die CD nicht anfassen soll. Denn du kannst aufgrund seines Entwicklungsstandes nicht erwarten, dass dieses Wissen immer präsent ist. Du jedoch bist fähig, die CD so weg zu packen, dass das Kind sie nicht erreichen kann.

 

Oft enttäuschen unsere Kinder auch unsere Erwartungen.

Was sind Erwartungen überhaupt? Eine Erwartung richten wir an den Anderen, wir erwarten ein bestimmtes Wissen und eine bestimme Verhaltensweise bei dem Anderen und zwar, das gleiche Wissen und die gleiche Verhaltensweise, die wir an den Tag legen würden, bei entsprechender Situation. Und wenn sich der Andere eben nicht so verhält, dann werden unsere Erwartungen enttäuscht.

Doch kann der Andere etwas für unsere Erwartungen? Und wie können wir davon ausgehen, dass sich der Andere unseren Erwartungen entpsrechend verhält? Dieser Andere hat ein anderes Wissen, er ist anders groß geworden, hat andere Erfahrungen gemacht, einen anderen Charakter, ander Wünsche, ein anderes Weltbild etc. etc. Es macht also Sinn, überhaupt einmal über unsere Erwartungen nachzudenken. Und ich rate euch, sie nach und nach loszulassen.

Wie ist es speziell bei unseren Kinder? Auch hier werden unsere Erwartungen enttäuscht, da wir zur meisten Zeit fälschlicherweise meinen, unsere Kinder hätten den gleichen Wissensstand, die gleiche Lebenserfahrungen und den gleichen Entwicklungsstand wie wir. Wie dieser Irrglauben zustande kommt, dass weiß ich nicht recht. Aber auch ich bin des öfteren in diese Falle getappt und habe mich gewundert, warum mein Kind nicht hören/lernen/verstehen will. Bis ich mich wieder in den Anfang der Konfliktsituation hineinversetzt habe und feststellen musste, dass ich etwas von meinem Kind erwartet habe, was vielleicht teilweise noch nicht einmal ein Erwachsener hätte erfüllen können.

In wessen Verantwortung liegt es nun, ob es einen Streit gibt? Es kann nicht in der Verantwortung des Kindes liegen. Denn ich bin der Erwachsene, ich habe mehr Wissen, mehr Lebenserfahrung und habe (theoretisch) mehr Entwicklungsschritte vollzogen.