Wollen unsere Kinder uns ärgern?

Die meisten heute kursierenden Erziehungsmaßnahmen gründen auf der Annahme, dass Kind komme "böse/schlecht" auf die Welt und wir sind dafür zuständig sie "gut" zu machen. Dies hört sich extrem an, aber schauen wir uns den Umgang mit Kindern an. Es gibt viele Verhaltensweisen von Kindern, bei denen wir geneigt sind, ihnen eine Absicht zu unterstellen, dass sie uns ärgern oder sogar schaden wollen.

Wie ist es, wenn du deinem 4 jährigen zum gefühlten 100sten Mal sagst, dass er seiner Schwester das Spielzeug nicht wegnehmen soll? Wie ist es, wenn dein 1,5 jähriges sein Gemüse nicht essen will? Was ist, wenn sich dein 2 jähriges auf den Boden schmeißt und bockt? Und wie ist es, wenn dein 1 jähriges nicht einschlafen will?

Wir werden angehalten, von fast allen Seiten, unser Kind bloß nicht zu verwöhnen, ihm nichts durchgehen zu lassen, streng zu sein und ja aufzupassen, das aus ihm ein gutes Kind, ein guter Erwachsener wird.

 

Nun möchte ich es mit euch einmal von der anderen Seite betrachten:

Wenn wir nämlich davon ausgehen, das Kinder von grundauf gut sind, dann müssen ihre Verhaltensweisen, ja einen guten Grund haben. Aber welchen? Hier hilft es evolutionsbiologisch zu denken. Welchen Sinn hat es also, dass der Säugling, aber auch das Kleinkind nicht alleine einschlafen will?

Schauen wir uns das ganze aus evolutionsbiologischer Sicht an, dann wissen wir, dass unser natürlicher Lebensraum eigentlich in der Natur ist und in der Natur gibt/gab es Raubtiere. Ein Kind ist alleine schutzlos und wäre dem Raubtier völlig ausgeliefert, daher braucht es Erwachsene, die es im Fall des Falles beschützen bzw. mit ihm flüchten. Unsere Kinder wissen nichts über Türen und Wände, sie wissen nicht, dass wir nicht mehr von Raubtieren umgeben sind, sie reagieren über die Instinkteben und die sagt: Alleine = Gefahr und alleine schlafen = absolute Lebensgefahr. Daher ist es biologisch schlicht weg sinnvoll und nötig, dass das Kind sich bemerkbar macht, dass es weint, damit wir es aufnehmen und bei ihm bleiben, denn nur dann sagt ihm seine Natur/sein Instinkt, alles ist sicher und in Ordnung. Und nur jetzt können sie einschlafen.

Wie ist es mit dem Gemüse essen? Auch hier wollen unsere Kinder uns nicht ärgern, sie handeln instinktiv. Vorausschicken möchte ich, dass es v.a. um Gemüse geht, welches den Kindern bis dahin relativ unbekannt war (das heißt sie haben den Geschmack noch nicht während der Schwangerschaft, dem Stillen und dem expertimentieren mit Nahrungsmitteln kennenlernen können). Nun gibt es in der Natur viele Pflanzen die giftig sind, und diese beinhalten v.a. Bitterstoffe, wie auch viele Gemüsesorten. Wenn die Kinder mobil werden und sich auch immer mehr trauen sich zu entfernen, ist es durchaus sinnvoll, dass sie eine naturgegebene Abneigung und Vorsicht gegenüber Pflanzen mit Bitterstoffen haben. Denn wenn dem nicht so sei, wäre die Gefahr groß, dass sie eine giftige Pflanze zu sich nehmen. Auch hier könnt ihr sehen, dass es sinnvoll und gut ist, dass unsere Kinder so reagieren.

 

Versuche in den Verhaltensweisen, deines Kindes den Sinn zu finden und bedenke dabei unseren eigentlichen, natürlichen Lebensraum.

 

 

Ich möchte euch hierfür das Buch "Kinder verstehen (Born to be wild)" von Herbert Renz-Polster

empfehlen. Es ist ein Augenöffner und hilft uns wieder zurück zur Natürlichkeit zu finden und kann vielen Probleme vorwegnehmen oder lösen, einfach aufgrund der anderen Sichtweise auf viele Verhaltensweisen.